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Warum der Osterhase die Eier bringt

Osterhasen sind im Frühjahr allgegenwärtig. Woher kommt die Bedeutung dieses Ostersymbols? Und warum versteckt das Langohr die bunten Eier?
Ein Hase hockt im Gras - im Vordergrund liegen bunte Ostereier.
Woher stammt die Geschichte vom Hasen, der zu Ostern die Eier bringt?Foto: iStockphoto/Thinkstock

Ob aus Schokolade, gefärbtem Zucker, Plüsch oder Keramik – Osterhasen tummeln sich in vielerlei Gestalt und Funktion rund ums Osterfest. Wie und warum es das Langohr zu solcher Popularität geschafft hat, darüber gibt es verschiedene Theorien. Fest steht: Der Osterhase ist im Vergleich zu anderen Symbolen des Osterfestes, wie etwa dem Ei, dem Lamm oder den Sakramentalien Feuer und Wasser, ein recht junges Requisit der Osterbräuche. Die Idee vom außergewöhnlichen Eierlieferanten kommt nicht vom Lande, sondern hat in stadtbürgerlichen Kreisen zu Beginn des 19. Jahrhunderts Verbreitung gefunden.

Video: Warum es an Ostern Hasen und Eier gibt (SWR)

Ursprung im südwestdeutschen Brauchtum?

Dass ausgerechnet der Südwesten Deutschlands früh eine Rolle spielte, ist kein Zufall. Entlang des Oberrheins – also in Baden, der Kurpfalz und im Elsass – trafen seit der frühen Neuzeit unterschiedliche religiöse Traditionen aufeinander. Katholische und protestantische Lebenswelten lagen oft nur wenige Kilometer auseinander. Bräuche wurden übernommen, verändert, manchmal auch neu erfunden. Der Osterhase passt genau in dieses Bild: keine kirchliche Figur, kein theologisches Symbol, sondern eine charmante Erzählfigur für den Familienalltag.

Frühe Belege

Die frühesten Osterhasen-Belege sollen auf protestantische Autoren des 17. Jahrhunderts zurückgehen und verweisen auf eine Zeit, in der es in den evangelischen Familien üblich wurde, die Ostereier zur Verschleierung ihrer Herkunft zu verstecken. Der Eierüberschuss zu Ostern resultierte aus den Fastenvorschriften der katholischen Kirche, ebenso wie die Weihe der gefärbten Eier. Beides lehnten die Protestanten ihrem Glauben gemäß ab; Eiergeschenke wurden allerdings auch von ihnen verteilt. Zur Erklärung konstruierte man schließlich die Geschichte vom Osterhasen, der die bunten Eier bringt und im Garten versteckt – „eine Fabel, die man Simpeln und Kindern aufbindet“, heißt es bereits in der Abhandlung „De ovis paschalibus“ (Von Ostereiern) aus dem Jahr 1682.

farbige Zeichnung der Werkstatt des Osterhasen. Zu sehen sind Hasen, die Eier bemalen.
Darstellung des Osterhasen in einem Schulbuch für die erste Klasse aus dem Jahr 1931.Foto: Privatarchiv dyh/Repro: NM

Eierverstecke im Garten

In dieser Dissertation eines Arztes, der bei einem Heidelberger Medizinprofessor promoviert wurde, wird der Brauch des Osterhasen unter anderem in der Pfalz, im Elsass und in angrenzenden Gebieten beschrieben. Demnach lege der Osterhase die Eier und verstecke diese im Gras oder unter Sträuchern. Dort würden sie von den Kindern gesucht, sehr zur Freude der Erwachsenen.
Der Hase war ein vertrautes Motiv aus der Volkskunst und bot sich, nicht zuletzt wegen seiner sprichwörtlichen Fruchtbarkeit, als profaner Überbringer der österlichen Eiergeschenke an.

Im 18. Jahrhundert entwickelte sich daraus nach und nach ein fester Bestandteil der Familienfeier. Besonders in städtischen Gärten oder Innenhöfen richteten Eltern kleine Nester her, mit Moos, Gras oder ein paar Zweigen. Am Ostermorgen begann dann die Suche.

Hase stach die tierische Konkurrenz aus

Der Hase war allerdings nicht überall der zuständige Eierbote. Je nach Region schickte man auch andere Tiere ins Rennen: den Fuchs, den Storch oder den Kuckuck. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts setzte sich das Langohr endgültig durch. Vielleicht, weil es ohnehin in der Volkskunst präsent war. Vielleicht auch wegen seines Rufs als ausgesprochen fruchtbares Tier – ein passendes Bild für Frühling, Neubeginn und das Wiedererwachen der Natur.

Farbige Zeichnung des Osterhasen, der bunte Eier im Gras versteckt.
So stellten sich viele Kinder den Osterhasen vor. Darstellung aus einem Schulbuch von 1931.Foto: Privatarchiv dyh/Repro: NM

Aufschwung des Osterhasen im 19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert erfuhr der Osterhase einen Aufschwung, der vermutlich in der industriellen Herstellung von günstigem Rübenzucker zu erklären ist. Hierdurch wurde die Produktion von erschwinglichen Schokoladen- und Zuckerhasen erst ermöglicht. Konditoren konnten Figuren gießen, experimentieren, Serien herstellen. Der Hase bot sich an: einfach zu formen, leicht zu erkennen, freundlich im Ausdruck.

Schon bald standen Schokoladenhasen in den Schaufenstern der Bäckereien. Blechformen für ihre Herstellung wurden in großen Stückzahlen produziert. Gleichzeitig tauchte das Tier auf Osterkarten, in Kinderbüchern und auf bunten Druckgrafiken auf. Um 1900 war die Sache entschieden: Der Osterhase hatte sich als Hauptfigur des Festes etabliert.

Rote Zuckerhasen an Ostern

Bereits im 18. Jahrhundert, stärker jedoch ab dem 19. Jahrhundert verbreitete sich der meist rote Zuckerhase vor allem im süddeutschen Raum. Die österliche Schleckerei wird aus einer Masse aus Kristallzucker, Wasser, Glukosesirup und rotem Lebensmittelfarbstoff hergestellt. Die erhitzte Masse wird in zweiteilige, eingeölte Metallformen gegossen. Nach dem Aushärten werden die dünnwandigen Zuckerhasen vorsichtig aus der Form gelöst.

Früher gehörte diese Arbeit zum Repertoire vieler kleiner Zuckerbäckereien. Heute ist sie selten geworden; doch hier und da findet man sie noch. In Baden-Württemberg sprechen manche Betriebe liebevoll von „Hasenmüttern“ und „Hasenvätern“, die sich jedes Frühjahr wieder an die Formen wagen. Besonders in der Kurpfalz, im Kraichgau, im Schwarzwald oder in Oberschwaben tauchen die leuchtend roten Figuren noch auf.

Ein Mann gießt rote Zuckermasse in eine metallene Osterhasenform.
Im 19. Jahrhundert erlebte der süße Osterhase in Form von Schokoladen- oder Zuckerhasen im deutschen Südwesten seinen Aufschwung.Foto: Vereinigung Walldorfer Heimatfreunde

Wichtiges Symbol des Osterfests

Und so hat der Osterhase einen bemerkenswerten Weg hinter sich. Vom beiläufig erwähnten Volksglauben des 17. Jahrhunderts zur Hauptfigur des modernen Osterfestes. Eine Geschichte, die ursprünglich wohl nur als harmlose Kindererklärung gedacht war. Heute dagegen wartet jedes Frühjahr eine ganze Generation darauf, dass irgendwo im Garten ein Nest auftaucht. Mit bunten Eiern. Und vielleicht einem Hasen aus Schokolade.

So feiert der Südwesten das Osterfest

Osterbräuche in Baden-Württemberg

von Redaktion NUSSBAUMAndreas Herrmann
09.03.2026
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