
Zur bevorstehenden Landtagswahl 2026, die am Sonntag, 8. März, stattfindet, wollte die Wieslocher Woche von Kandidatinnen und Kandidaten des Wahlkreises 37 Wiesloch wissen, wie sie zu viel diskutierten Themen stehen und welche Lösungsansätze sie verfolgen. Hier können Sie das Interview mit Xenia Rösch von der SPD lesen.
Rösch arbeitet als Projektmanagerin bei einer Volksbank und wohnt in Sandhausen. Sie ist seit 2017 Parteimitglied der SPD und seit 2019 Gemeinderätin.
NUSSBAUM.de: Welche konkreten Maßnahmen möchten Sie auf Landesebene ergreifen, um den Bau von bezahlbarem Wohnraum zu fördern?
Xenia Rösch: Wohnen ist für mich die soziale Frage unserer Zeit. In Baden-Württemberg fehlen aktuell rund 200.000 Wohnungen. Deshalb möchte ich, dass das Land endlich wieder selbst Verantwortung übernimmt. Ich setze mich für die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft ‚BWohnen‘ ein, damit wir bezahlbare Mieten garantieren können. Ziel ist es, dass das Land wieder selbst baut und dauerhaft bezahlbare Mietwohnungen schafft, die der Spekulation entzogen sind. Konkret fordern wir, dass künftig jeder Euro an Bundesmitteln für den Wohnungsbau durch einen Euro vom Land ergänzt wird – das schafft echte Planungssicherheit. Zudem möchte ich kommunale und gemeinwohlorientierte Bauträger ins Zentrum der Förderung rücken, um besonders den Bau von familienfreundlichen und altersgerechten Wohnungen zu forcieren.
NUSSBAUM.de: Wie sollte das Land Kommunen wie Wiesloch unterstützen, um steigende Pflichtaufgaben und eine hohe Verschuldung besser bewältigen zu können?
Rösch: Unsere Kommunen leisten Enormes, stehen aber finanziell teilweise mit dem Rücken zur Wand. Wer bestellt, muss auch bezahlen – deshalb fordere ich eine strikte Einhaltung des Konnexitätsprinzips. Das Land muss die Kommunen bei Pflichtaufgaben wie der Flüchtlingsunterbringung und den Sozialausgaben voll entlasten. Ein zentraler Punkt ist für mich die Altschuldenregelung: Das Land muss unseren Kommunen helfen, ihre Altschulden abzubauen, damit sie wieder Luft zum Atmen haben. Statt Zinsen für alte Kredite zu zahlen, sollen unsere Kommunen dieses Geld lieber in moderne Schulen und unsere Infrastruktur stecken können. Ich kämpfe für eine Finanzausstattung, die es ermöglicht, vor Ort wieder zu gestalten, statt nur Mangel zu verwalten.
NUSSBAUM.de: Welche landespolitischen Entscheidungen halten Sie für geeignet, um Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen spürbar zu entlasten?
Rösch: Mir ist es wichtig, dass Politik direkt im Geldbeutel der Menschen ankommt. Deshalb stehe ich für eine spürbare Entlastung von Familien sowie kleinen und mittleren Einkommen. Die Kosten für den Besuch einer Kita sind in den letzten Jahren explodiert. Ein zentraler Hebel für mich ist die Abschaffung der Kitagebühren – Bildung muss von Anfang an beitragsfrei sein. Zusätzlich möchten wir kostenloses Mittagessen in Kitas und Schulen einführen. Beim Wohnen dürfen wir nicht länger zusehen: Ich setze mich für mehr geförderten Wohnungsbau, eine landeseigene Wohnungsbaugesellschaft und eine wirksame Mietpreisbremse ein. Auch bei der Pflege müssen wir handeln: Die Eigenanteile in Baden-Württemberg sind bundesweit am höchsten. Wenn das Land – wie etwa Bayern oder Hessen – mehr Mittel für Investitionskosten und Ausbildung bereitstellt, könnten wir die Kosten für Heimplätze locker um 10 % senken. Dafür möchte ich mich im Landtag starkmachen.
NUSSBAUM.de: Ist die aktuelle Kosten- und Aufgabenverteilung zwischen Land und Kommunen bei Kitas aus Ihrer Sicht gerecht, und sollte das Land mehr Verantwortung übernehmen?
Rösch: Die aktuelle Situation ist für viele Kommunen und für die Eltern kaum noch tragbar. Ich sehe hier das Land klar in der Pflicht, deutlich mehr finanzielle Verantwortung zu übernehmen. Es kann nicht sein, dass Städte und Gemeinden aus purer Not Gebühren auf Familien abwälzen müssen, die diese kaum noch schultern können. Ich setze mich für die vollständige Gebührenfreiheit von der Geburt bis zur Einschulung ein. Dabei sollen den Kommunen die entstehenden Einnahmeausfälle vollständig erstattet werden. Wir müssen den staatlichen Anteil an den Betriebskosten massiv erhöhen, um sowohl die Qualität der Betreuung zu sichern, als auch die Eltern zu entlasten. Für mich ist klar: Jeder in Bildung investierte Euro ist gut investiert. Und eine Investition in unsere Zukunft.
NUSSBAUM.de: Welche Verantwortung trägt das Land für Personal, Digitalisierung und Organisation der Ausländerbehörden, und was würden Sie konkret ändern, um Verfahren zu beschleunigen?
Rösch: In vielen Ausländerbehörden herrscht aktuell ein Stillstand, der nicht nur menschlich schwierig ist, sondern auch unsere lokale Wirtschaft lähmt. Ich möchte nicht, dass unsere Kommunen mit Personalmangel und Papierbergen allein gelassen werden. Das Land trägt hier die Verantwortung für eine moderne, digitale Ausstattung. Unser Ziel als SPD ist die Schaffung eines Landeseinwanderungsamts als zentrale Steuerungseinheit. So können wir Verfahren bündeln, Fachkräfte schneller in Arbeit bringen und sicherstellen, dass Integration von Anfang an gelingt, statt in der Warteschleife hängenzubleiben. Wir brauchen eine Willkommenskultur, die diesen Namen verdient und bürokratische Hürden konsequent abbaut.
NUSSBAUM.de: Welche landespolitischen Hebel sehen Sie, um Pflegekräfte zu gewinnen und Pflegeeinrichtungen langfristig zu stabilisieren?
Rösch: Wir müssen den Pflegeberuf endlich so wertschätzen, wie er es verdient. Das bedeutet für mich konkret: Wir müssen die Ausbildungskapazitäten massiv ausbauen und die Arbeitsbedingungen so verbessern, dass Pflegekräfte ihren Beruf langfristig ausüben können. Außerdem müssen ausländische Berufsabschlüsse im Gesundheitswesen schnell, gebührenfrei und ohne bürokratische Hürden anerkannt werden. Wir als SPD wollen aktiv Fachkräfte im Ausland anwerben und sie bereits dort für den Einsatz in Baden-Württemberg qualifizieren. Das Land muss hier als Motor agieren, um die Versorgungssicherheit im Land stabil zu halten.
NUSSBAUM.de: Welche konkreten Maßnahmen würden Sie priorisieren, um das Ziel der „Vision Zero“ im Straßenverkehr in Baden-Württemberg zu erreichen?
Rösch: Sicherheit im Verkehr ist für mich nicht verhandelbar. Ich stehe voll hinter der „Vision Zero“: Niemand sollte im Straßenverkehr sein Leben verlieren. Mein Fokus liegt auf dem Schutz der Schwächsten. Eine grundsätzliche Höchstgeschwindigkeit von Tempo 30 vor besonders sensiblen Bereichen (u.a. Kindergärten, Schulen, Seniorenheime) wäre eine konkrete Maßnahme. Rad- und Fußverkehr müssen bei jeder Städte- und Verkehrsplanung mitgedacht werden – egal ob Neubau oder Sanierung. Damit Regeln aber auch wirken, brauchen wir eine konsequente Durchsetzung der StVO. Ich möchte, dass sich alle Bürgerinnen und Bürger sicher auf den Straßen bewegen können, egal ob zu Fuß, mit dem Rad oder dem Auto.
NUSSBAUM.de: Welche Maßnahmen halten Sie für besonders wirksam, um dem Fachkräftemangel in Baden-Württemberg zu begegnen und den Wirtschaftsstandort zu stärken?
Rösch: Der Fachkräftemangel ist eine der größten Herausforderungen für unsere Betriebe. Für mich beginnt die Lösung bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Nur mit verlässlicher Ganztagsbetreuung und ohne Kitagebühren können viele Eltern – gerade Mütter – ihr volles Potenzial einbringen. Zur Fachkräftegewinnung gehört auch die Stärkung der beruflichen Bildung und deren Gleichwertigkeit mit der akademischen Bildung. Dazu zählen u.a. Informationskampagnen zur dualen Ausbildung an allen Schularten, eine Ausweitung der verpflichtenden Praxiserfahrung von zehn auf zwanzig Tagen und damit verbundene verbindliche jährliche Tage der dualen beruflichen Bildung an Gymnasien und weiteres mehr. Zudem wollen wir als SPD, eine kostenfreie Meisterausbildung inklusive aller Aufstiegsfortbildungen. Nur mit den besten Köpfen bleibt unser Land an der Spitze.
NUSSBAUM.de: Wo sehen Sie die größten Zielkonflikte zwischen Klimaschutz, Wirtschaft und sozialer Akzeptanz, und wie würden Sie diese politisch gewichten?
Rösch: Für mich ist Klimaschutz eine Gemeinschaftsaufgabe, die nur dann erfolgreich ist, wenn sie für alle Bürgerinnen und Bürger machbar und bezahlbar bleibt. Mein Fokus liegt daher auf der sozialen Akzeptanz: Wenn wir über energetische Sanierung sprechen, müssen wir sicherstellen, dass die Mieten nicht explodieren. Ich gewichte den sozialen Zusammenhalt als Basis für alles andere. Wirtschaftlich sehe ich die Chance, Baden-Württemberg zum Vorreiter für grünen Wasserstoff und klimaneutrale Produktion zu machen – das sichert unsere Arbeitsplätze. Mein Ziel ist der Schulterschluss zwischen Ökologie und Ökonomie. Wir erreichen Klimaziele nicht durch Verbote, sondern durch Innovation und staatliche Förderung, die auch beim Handwerker und der Verkäuferin ankommt.
NUSSBAUM.de: Wie wollen Sie den Wahlkreis Wiesloch im Landtag vertreten und für Bürgerinnen und Bürger ansprechbar sein?
Rösch: Ich will keine Abgeordnete sein, die man nur von Plakaten kennt. Mein Ziel ist ein echter Schulterschluss mit allen Bereichen unserer Gesellschaft – denn gute Landespolitik braucht den Rückhalt von vor Ort. Ich werde daher feste Formate etablieren, um kontinuierlich im Austausch zu bleiben: Einen regelmäßigen Wirtschaftsstammtisch, um unseren Betrieben und dem Handwerk direkt zuzuhören, sowie gezielte Bildungs-Dialoge mit Lehrkräften und Elternvertretern, um die Probleme an unseren Schulen ungefiltert nach Stuttgart zu tragen. Besonders wichtig ist mir die junge Generation: Mit Formaten wie ‚Pizza & Politik‘ möchte ich jungen Menschen in Wiesloch und Umgebung einen lockeren, hürdenfreien Raum für ihre Anliegen bieten. Ob in festen Wahlkreis-Sprechstunden oder beim Besuch im Verein – ich verstehe mich als Brücke in den Landtag. (dj)
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