Wer im Strandbad Horn am Bodensee in diesen Tagen schwimmen möchte, muss gut zu Fuß sein. Denn bis zum Wasser ist der Weg deutlich weiter als sonst – und selbst dort stehen Badegäste auch nach Dutzenden Metern nur bis zu den Knien im kühlen Nass.
Der Bodensee führt derzeit so wenig Wasser wie selten um diese Jahreszeit. Das hat erste Folgen für Bäder, Schiffe und die Tierwelt. Warum ist der Wasserstand so niedrig – und wie könnte sich der Pegel in den nächsten Wochen entwickeln? Das Wichtigste dazu:
Derzeit liegt der Wasserstand am Pegel Konstanz bei etwa 310 Zentimetern – das sind zwar drei Zentimeter mehr als am Tag zuvor, aber 77 Zentimeter unter dem langjährigen Mittel für diesen Tag (Stand Donnerstag, 11.49 Uhr). Bis zum historischen Minimalwert von 301 Zentimetern für diesen Tag sind es laut Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) nur noch wenige Zentimeter.
Das liegt vor allem, aber nicht nur an der Wetterlage in den Alpen. Normalerweise steigen die Pegel im Frühjahr und Sommer durch Regen und schmelzenden Schnee – im laufenden Jahr war dies bislang schwach, weil es im Einzugsgebiet des Alpenrheins weniger geschneit hat. Außerdem hat es weniger geregnet. «Beides zusammen führt dazu, dass der Alpenrhein, der Hauptzufluss des Bodensees, aktuell unterdurchschnittlich Wasser führt», erklärte eine LUBW-Sprecherin.
Zunächst mal nicht so viel. Am Strand müssen längere Wege bis zum Wasser in Kauf genommen werden – und noch längere, bis sich anständig schwimmen lässt. «Insbesondere in den flachen Uferbereichen unserer Strandbäder ist der niedrigere Wasserstand mittlerweile deutlich wahrnehmbar», sagt Teresa Gärtner von den Stadtwerken Konstanz. Es könne aber in allen Strandbädern gebadet werden.
Die Bootsvermietung Frey in Meersburg hingegen muss warten: «Der ist in der Werft im Trockenen, der Bootsverleih, und wartet darauf, dass vielleicht Wasser kommt», sagte Sabina Trunz von den Bootsbetrieben dem SWR.
Aus Sicht der Stadtwerke ist die Wetterlage während der Sommermonate entscheidend für die Strandbäder. «Sollte der niedrige Wasserstand über einen längeren Zeitraum anhalten, könnten sich einzelne Nutzungsangebote oder Attraktionen perspektivisch nur eingeschränkt betreiben lassen», sagte Gärtner.
Nach Angaben der Stadtwerke läuft der Schiffsbetrieb weitestgehend «normal». Kleinere Einschränkungen gebe es aber. Einige Schiffe müssten etwa einen größeren Abstand zum Ufer einhalten, die Landestellen müssten langsamer angefahren werden und die Zugangsbrücken beim Ein- und Aussteigen seien steil. Zudem könnten die Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB) den Steg in Mannenbach nicht anfahren. Am Untersee ist die Strecke zwischen Stein am Rhein und Diessenhofen nicht zu befahren.
Dabei soll es bleiben, sagte Gärtner: «Wir gehen aktuell davon aus, dass es in absehbarer Zeit zu keinen einschränkenden Maßnahmen für den Schiffsbetrieb kommen muss.»
Die LUBW spricht zwar davon, der niedrige Pegel sei «an sich keine Gefahr für die Wasserqualität und die Tiere und Pflanzen». Die Lebensgemeinschaften im Bodensee seien an schwankende Wasserstände angepasst. Und was derzeit trocken liege, sei in der Regel im Winter bei niedrigen Wasserständen auch nicht von Wasser benetzt und werde jedes Jahr neu besiedelt. Sie betont aber auch, vor allem in sehr flachen Uferbereichen führe der sinkende Pegel zu einem Verlust von Wasserlebensräumen.
Davor warnt auch die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Bodensee (OAB). «Arten wir das Blesshuhn und der Haubentaucher können nicht zur Brut schreiten, wenn der Bereich nicht unter Wasser steht», sagt Lisa Maier. «Sie warten dann auf dem Wasser oder bauen ihr Nest im Schlick. Dort ist die Brut leichte Beute für Füchse.» Ein schlechtes Brutjahr könne zwar mal passieren, sagt Maier. «Aber es häuft sich in den vergangenen Jahren.»
Ja, absolut, wie der Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung betont. «Auf die Wasserentnahme und Trinkwasserversorgung der Bodensee-Wasserversorgung hat das Niedrigwasser aktuell keinen Einfluss», sagt Verbandssprecherin Anna-Maria Dillinger. Es flössen Jahr für Jahr rund 11,5 Milliarden Kubikmeter Wasser in den Bodensee. «Die Bodensee-Wasserversorgung entnimmt nur ein Prozent der Menge, die dem See zufließt», erklärt Dillinger. Bis zu 670 Millionen Liter dürfe der Verband täglich aus dem See entnehmen.
Die LUBW-Experten rechnen zwar mit einem leicht steigenden Wasserstand, weil die derzeit hohen Temperaturen die Schneeschmelze kurzfristig verstärken könnten. Dieser Anstieg könne aber geringer ausfallen als üblich. «Für den Wasserstand im Sommer lassen sich keine verlässlichen Vorhersagen treffen», teilt die LUBW mit. Klar sei aber: Damit der Wasserstand im Bodensee wieder gewohnte Werte erreiche, müsse es neben der Schneeschmelze auch flächendeckend im Einzugsgebiet des Bodensees regnen.
