
Die dritte Blutkontrolluntersuchung im Landkreis Rastatt zeigt: Die PFOA-Belastung der Bevölkerung ist deutlich zurückgegangen, vor allem bei Menschen, die früher über das Trinkwasser exponiert waren. Umweltmediziner sehen damit einen klaren Erfolg der ergriffenen Maßnahmen nach der festgestellten Kontamination im Jahr 2013, warnen aber vor anhaltenden Risiken aus Boden und Grundwasser.
Die Wasserversorger im Raum Rastatt haben nach Bekanntwerden der PFAS-Belastung vor inzwischen über 10 Jahren ihre Anlagen nachgerüstet, etwa mit Aktivkohlefiltern. Nach Behördenangaben greifen diese Maßnahmen: Das abgegebene Trinkwasser hält die geltenden Grenz- und Leitwerte ein und gilt als unbedenklich. Für viele ehemals stark belastete Haushalte ist damit die wichtigste Eintragsquelle von PFOA weggefallen.
Gleichzeitig weisen Fachleute darauf hin, dass private Brunnen und Eigenwasserversorgungen weiterhin sorgfältig geprüft werden sollten. Wer sein Wasser nicht aus dem öffentlichen Netz bezieht, soll sich bei den zuständigen Stellen über mögliche Untersuchungsangebote informieren. So soll verhindert werden, dass PFAS-belastetes Wasser unbemerkt weiter genutzt wird.
Trotz der Erfolge beim Trinkwasser bleibt die ursprüngliche Ursache des Problems bestehen: Durch verunreinigten Kompost sind über Jahre hinweg PFAS in Böden und ins Grundwasser gelangt. Diese Stoffe bauen sich nur sehr langsam ab und können weiterhin in Pflanzen gelangen oder ausgewaschen werden.
Betroffen waren vor allem landwirtschaftlich genutzte Flächen und Gärten, auf denen der belastete Kompost ausgebracht wurde. Fachleute sehen hier ein langfristiges Risiko, etwa über den Verzehr selbst angebauter Lebensmittel oder über erneute Einträge ins Grundwasser.
PFAS-Chemikalien gelten als potenziell krebserregend. Gesundheitsschäden im Zusammenhang mit den Stoffen haben die Länder des Europäischen Wirtschaftsraum 2019 insgesamt 52 Milliarden Euro gekostet.
Aus Sicht der zuständigen Behörden besteht nach der dritten Blutuntersuchung weniger akuter Handlungsdruck als in den Anfangsjahren der Kontamination. Besondere Aufmerksamkeit gilt dennoch empfindlichen Gruppen wie Kindern, Schwangeren und Stillenden.
Die Blutkontrolluntersuchungen werden von Umweltmedizinern im Auftrag der Behörden durchgeführt. Sie arbeiten mit einheitlichen Protokollen für Blutentnahme, Laboranalytik und Auswertung, um Ergebnisse aus verschiedenen Runden vergleichbar zu machen. Nach Angaben der Verantwortlichen fließen nur geprüfte und vollständige Datensätze in die offizielle Zwischenbilanz ein.
