
Der Februar markiert den Beginn der Obstbaumschnitt-Saison. In dieser Zeit bereiten sich auch die Ehrenamtlichen des Obst- und Rebbauverein Weingarten e.V. auf ihre jährlichen Pflegeeinsätze vor. Der fachgerechte Schnitt unbelaubter Obstbäume ist entscheidend für ihre langfristige Gesundheit – sowohl auf Streuobstwiesen als auch im heimischen Garten. Der Winterschnitt sorgt für eine stabile Kronenform und fördert den kräftigen Austrieb im Frühjahr. Am Samstag, 28. Februar bietet der Verein bereits ab 14 Uhr im Lehrgarten von Ruth und Dieter Rauch im örtlichen Schmalensteinweg 38 erneut seinen traditionellen Frühjahrsschnittkurs an.
Dieser steht nach wie vor unter dem Motto: „Klimawandel und die Folgen“, wie Vereinsvorsitzender Henry Östreicher ausführt. Der langjährige Funktionär wird zudem mit einem Aus- und Rückblick aufwarten und über die große und kleine Politik mit den Folgen für die Gesellschaft und das Vereinsleben referieren. „Der Februar ist für den Schnitt besonders günstig, da die im Herbst eingelagerten Nährstoffe noch überwiegend in den Wurzeln gespeichert sind und beim Schnitt kaum verloren gehen“, weiß Östreicher. Zudem lassen sich Kronenstruktur, Totholz sowie ungünstig wachsende Äste jetzt gut erkennen. Schnittwunden verheilen kurz vor dem Laubaustrieb besonders gut.
Im Mittelpunkt des Nachmittags wird Obstbaumeister Edwin Müller den bekannten „Müllerschnitt“ an abgeernteten Süß- und Sauerkirschbäumen demonstrieren. Zu den tragenden Äpfel- und Birnensorten gibt es vom Experten umfangreiche Informationen, wichtige Tipps und Anregungen zu Schnitt und Pflege der Gehölze. Dies gelte auch für alle Sträucher. Gerade hochstämmige Obstbäume sind auf ein langes Leben ausgelegt. In den ersten Jahren steht nicht unbedingt der Ertrag im Vordergrund, sondern der Aufbau einer stabilen, gut belichtete Krone. Regelmäßige Schnittmaßnahmen verhindern, dass die Bäume frühzeitig altern oder instabil werden. In späteren Jahren genügt ein maßvolles Auslichten, um Sonne, Vitalität und Fruchtqualität dauerhaft zu erhalten. Vernachlässigte Bäume können durch einen gezielten Schnitt oft wieder zu neuer Kraft finden. Wie wichtig fachgerechte Pflege ist, zeigt der Weingartener Verein durch seine Aktionen im Frühjahr und Sommer, denn jährlich gehen in Baden-Württemberg zehntausende Obstbäume verloren.
Klar ist: Streuobstwiesen und Obstgärten leisten einen wichtigen Beitrag zum Klima- und Artenschutz: Sie binden Kohlenstoff, verbessern das Kleinklima und bieten Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Hier zeigt der Obst- und Rebbauverein Weingarten, zusammen mit dem nimmermüden Ehepaar Rauch wie wirkungsvoll ehrenamtliches Engagement zum Erhalt dieser einzigartigen Kultur beitragen kann. Ob im eigenen Garten oder auf der Obstwiese vor der Haustür – der Februar ist der ideale Zeitpunkt, um aktiv zu werden und mit dem richtigen Schnitt die Grundlage für gesunde Bäume und reiche Ernte zu legen. Übrigens: Das richtige Werkzeug ist von Vorteil. Dünne Triebe bis etwa 1,5 Zentimeter werden mit einer scharfen Gartenschere geschnitten. Stärkere Äste mit der Astschere und sehr dickes Holz mit der Hand- oder Bügelsäge. Eine stabile, ausziehbare Leiter ist bei großen Bäumen unverzichtbar.
Einmal mehr wird der Vereinschef auch zum Themengebiet „Gesunde Ernährung“ im Rahmen des späteren, gemütlichen Beisammenseins mit Vereinsmitgliedern und Gästen, bei dem neben verschiedenen Obstsorten auch Essen und Trinken kostenlos bereitgestellt wird, mit einigen Ausführungen aufwarten. „Zu einer gesunden Ernährung zählt natürlich auch Obst wie Äpfel, Birnen, Kirschen, Aprikosen, Himbeeren, Blaubeeren, Trauben sowie Südfrüchte wie Bananen, Papayas und vieles mehr“, betont Östreicher. „Diese Produkte können zum Großteil in den Haus- und Nutzgärten selbst produziert oder im Bioladen gekauft werden“, bricht Östreicher eine Lanze für die Selbstversorger. Kleine Kirsch-, Birnen- oder Apfelbäumchen seien heute sehr beliebt und könnten auch auf einem Balkon oder einer Terrasse gezüchtet werden. Aber auch biologische Trauben wie die Sorte „Regent“, die kein Pflanzenschutzmittel benötigt, würden zu einer gesunden Ernährung beitragen „zumal diese Sorte kein weißes, sondern dunkelrotes Fruchtfleisch besitzt“.
Henry Östreicher geht bereits jetzt auf ein Ereignis ein, das lange Jahre ein wichtiger Bestandteil in der Weinbaugemeinde Weingarten war – das Weingartener Winzerfest. Dazu wird demnächst in einem weiteren Artikel berichtet.
Zunächststeht also der Frühjahrsschnittkurs an und Henry Östreicher lädt „alle Obst- und Rebbaufans aus Weingarten und Umgebung“ zu einem gemütlichen Beisammensein auf der Terrasse und Laube im wunderschön angelegten Lehrgarten der Familie Rauch herzlich ein und sagt abschließend: „Wir möchten unseren Mitgliedern und Gästen die Pflege von Obstgärten sowie die Gestaltung von Hochbeeten durch einen namhaften Experten näher bringen und uns in gemütlicher Runde austauschen.“ (hjo)
