
Mit diesem Interview startet eine neue Reihe der Wieslocher Woche, in der Ehrenamtliche vorgestellt werden, die sich mit Zeit, Ideen und ganz viel Engagement im Rahmen der Bürgerstiftung für unsere Stadt einsetzen. Den Auftakt machen zwei Frauen, die auf besondere Weise Generationen verbinden: Jessica Füllenbach und ihre Mutter Roswitha Pierschalski. Seit mehreren Jahren lesen sie in der Vorweihnachtszeit gemeinsam im Märchenzelt der Bürgerstiftung Wiesloch vor – ein Ehrenamt, dass Kinder wie Erwachsene gleichermaßen verzaubert.
Jessica Füllenbach:
Mein Weg zur Bürgerstiftung begann eigentlich ganz anders. Ursprünglich habe ich die Stiftung im Grafikdesign unterstützt und Flyer gestaltet. Das tolle Oma-/Opa-/Enkel-Streuobstwiesenprojekt zum Beispiel war eines der ersten Projekte, dass ich gestalterisch begleitet habe – ins Leben gerufen von Edeltraut Schuckert. Edel machte mich später mit der Märchenzelt-Koordinatorin Anke Merk bekannt. Anke erzählte mir von ihrem wunderschönen Herzensprojekt, und wir entwickelten einen neuen Flyer und ein Poster.
Es ist etwas ganz Besonderes, wenn Kindern vorgelesen wird. Ich habe schöne Erinnerungen an meine Kindheit, in der meine Mutter und auch mein Vater uns Kindern viel vorgelesen haben. Da für das Märchenzelt immer neue Leserinnen und Leser willkommen sind, entschied ich mich ebenfalls, dort vorzulesen. Das mache ich nun seit drei Jahren – und ich freue mich jedes Jahr aufs Neue darauf.
Roswitha Pierschalski:
Für mich war schnell klar: Das möchte ich gemeinsam mit meiner Tochter machen. Geschichten begleiten mich mein ganzes Leben. Früher habe ich Jessica viel vorgelesen, später dann meinen Enkelkindern. Auf dem Schulweg habe ich sie begleitet und mir sogar eigene Geschichten ausgedacht, um die „Laufzeit“ spannender zu machen.
Jessica Füllenbach:
Schon die Atmosphäre ist etwas ganz Besonderes. Das Zimmer hinter dem Schaufenster in der Rathausgasse ist märchenhaft dekoriert. Draußen stehen Kinder mit ihren Eltern, oft in kleinen Gruppen, und können es kaum erwarten, hineinzukommen. In der Weihnachtszeit wird an den Adventswochenenden in mehreren „Schichten“ vorgelesen.
Kamishibai, Kuscheltiere, die zum Leben erweckt werden, frei erzählte Geschichten, Märchen im „Doppelpack“, erzählt von zwei Personen – jede Leserin und jeder Leser hat eine eigene Art, den Kindern die selbst ausgewählten Geschichten näherzubringen.
Roswitha Pierschalski:
Mir ist besonders wichtig, eine ruhige Atmosphäre zu schaffen. Zwischen den Geschichten gibt es sogar Tee und Kekse. Ein Teil der Kekse wurde dieses Jahr übrigens im Rahmen des Projekts „sozialgenial“ von Schülerinnen und Schülern der Johann-Philipp-Bronner-Schule gebacken. Es sind also viele Menschen, die sich in unterschiedlichster Weise für das Märchenzeltprojekt einsetzen.
Roswitha Pierschalski:
Die Begeisterung der Kinder ist einfach ansteckend. Wenn man sieht, wie sie zuhören, lachen oder ganz still werden, weiß man, warum man das macht. Geschichten sind etwas sehr Wertvolles.
Jessica Füllenbach:
Man macht ganz tolle Erfahrungen. Ein Erlebnis hat mich besonders berührt: Einmal saß eine ältere Dame ganz still in einer Ecke und hat von Anfang bis Ende andächtig zugehört. Vielleicht hat sie sich an ihre eigene Kindheit erinnert. Solche Momente zeigen, dass Geschichten alle Generationen erreichen.
Jessica Füllenbach:
Meine Mutter war früher oft bei Schulausflügen dabei und hat die Lehrkräfte unterstützt. Sie hat mit uns Kindern und Freunden für Veranstaltungen gebastelt. Ich war immer sehr stolz auf sie. Sie ist ganz klar mein Vorbild für mein heutiges Engagement. Ich selbst war zum Beispiel noch ehrenamtlich als Elternbeirätin tätig.
Was möchten Sie anderen Wieslocherinnen und Wieslochern mitgeben?
Roswitha Pierschalski:
Trauen Sie sich! Ehrenamt macht Freude und gibt so viel zurück.
Jessica Füllenbach:
Die Bürgerstiftung Wiesloch ist unglaublich wichtig für unsere Gesellschaft. Es gibt so viele tolle, unterschiedliche Projekte. Auch wenn man sich einsetzen möchte und nicht weiß, womit – es gibt bestimmt ein passendes Angebot zum Mitmachen.
Selbst mit einem kleinen Zeitbudget kann man sich einbringen. Die Aufgaben werden auf viele Schultern verteilt, sodass es für jede und jeden machbar ist.
Beide gemeinsam:
Wir möchten Menschen ermutigen, sich ehrenamtlich zu engagieren. Wenn Menschen ihre Zeit, ihre Fähigkeiten und ihr Herz teilen, macht das das Leben doch lebenswerter.
Es bringt uns alle wieder zusammen – und das ist sehr wichtig in der heutigen Zeit.
(ch)