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30 Jahre Programm: Filmclub Wiesloch

Donnerstag ist Filmclub-Tag Seit 1995 steht der Filmclub Wiesloch für ein besonderes Kinoerlebnis abseits des Mainstreams. Zweimal im Jahr stellt...
Kinofoyer mit bunten Deckenlampen und vielen Besuchern
Volles Kinofoyer am Filmclub AbendFoto: Richard Ziehensack

Donnerstag ist Filmclub-Tag

Seit 1995 steht der Filmclub Wiesloch für ein besonderes Kinoerlebnis abseits des Mainstreams. Zweimal im Jahr stellt ein engagiertes Team von acht bis neun Vereinsmitgliedern ein sorgfältig kuratiertes Programm zusammen. Künstlerisch anspruchsvoll, aber ebenso unterhaltsam ist das Filmprogramm. Insgesamt rund 20 ausgewählte Filme sind so jedes Jahr im Luxor Filmpalast Wiesloch-Walldorf am Bahnhof zu sehen.

Kein Club im klassischen Sinne

Der Name sorgt gelegentlich für Verwirrung: Mitglied muss man nicht sein, um die Filme zu besuchen. Willkommen ist jeder, der sich rechtzeitig Karten sichert, was angesichts der meist ausverkauften Vorstellungen dringend zu empfehlen ist. Der Filmclub hat sich über die Jahre eine treue und stabile Zuschauerschaft aufgebaut, viele davon Stammgäste, die kein Programm verpassen und auch bei anspruchsvollerer „schwerer Kost“ dabeibleiben.

Von kleinen Anfängen zum Erfolg

Die Geschichte des Filmclubs begann auf Initiative der Stadt Wiesloch. Das Kino befand sich damals noch im Kegelbahnweg, die damaligen Betreiber wollten aufhören, und zunächst fand sich kein Nachfolger. Mit starker Unterstützung der Stadt wurde ein anfangs defizitärer Betrieb mit künstlerisch ambitionierten Filmen und wenigen Besuchern gestartet.

Zum Glück fand sich mit Familie Englert ein neuer Betreiber für das bis heute erfolgreiche Kino. Bis heute ist die Zusammenarbeit mit dem Luxor Filmpalast, der schon lange am Bahnhof ansässig ist, von gegenseitigem Vertrauen und klaren Absprachen geprägt. Der Filmclub wählt die Filme aus und übernimmt die Werbung, während die Geschäftsführung des Kinos berät, welche Produktionen verfügbar sind, denn nicht jeder Wunschfilm ist tatsächlich im Verleih erhältlich.

Engagement mit Leidenschaft

Esther Rothenhöfer ist seit der Gründung dabei. Gemeinsam mit dem langjährigen Mitstreiter Richard Ziehensack blickt sie auf über drei Jahrzehnte Filmclub-Geschichte zurück. Rothenhöfer, die leidenschaftlich liest, schlägt häufig Literaturverfilmungen vor. Ziehensack erinnert sich: „Früher hatten wir mehr schwere Kost.“ Heute wisse man, dass das Publikum auch mal lachen wolle. „Gerade in der heutigen Zeit braucht man auch mal eine Auszeit“, ergänzt Rothenhöfer.

Das Programm startet stets donnerstags um 20 Uhr. Zu jedem Film gibt ein Mitglied des Filmclubs eine Einführung. Dadurch sind die Aktiven vielen Besuchern persönlich bekannt und erhalten regelmäßig Filmvorschläge aus dem Publikum. Bei großer Nachfrage zeigt das Luxor den Film noch einmal am Montag, jeweils um 19:00.

Finanzielle Unterstützung – damals und heute

In den Anfangsjahren war die Unterstützung großzügig: 1998 erhielt der Verein 35.000 D-Mark, jeweils zur Hälfte finanziert von der Stadt Wiesloch und einer Bundesförderung. Diese Förderung war bis 2002 zugesichert. Summen in dieser Größenordnung sind heute kaum mehr vorstellbar.

Dennoch unterstützen die Städte Wiesloch und Walldorf den Filmclub weiterhin. Gesponsert wird vor allem der Umtrunk mit kleinem Imbiss am Eröffnungsabend eines neuen Programms – zweimal im Jahr ein gesellschaftlicher Höhepunkt. Legendär waren lange Zeit die selbstgemachten Dampfnudeln mit Kartoffelsuppe von Kinoinhaberin Englert.

Am Eröffnungsabend füllen regelmäßig über 300 Besucher zwei große Kinosäle. Die folgenden Filme erreichen durchschnittlich rund 180 Zuschauer pro Vorstellung – beeindruckende Zahlen für ein Programm jenseits des Blockbuster-Kinos.

Kinoerlebnis statt Streaming

Der Filmclub bemüht sich, möglichst aktuelle Produktionen zu zeigen. Manchmal läuft ein Film kurz vor dem Kinotermin bereits im Fernsehen, etwa auf Arte oder 3sat. Der Nachfrage schadet das jedoch nicht. Das gemeinsame Erleben auf der großen Leinwand, die Atmosphäre im Saal, die spürbaren Emotionen des Publikums - all das sei durch Streaming nicht zu ersetzen, betont Rothenhöfer.

Ein besonderes Highlight war für Ziehensack die Vorführung des Films „Konklave“, der just zu der Zeit lief, als die Wahl von Papst Leo weltweit Schlagzeilen machte. Auch die Komödie „Der Pinguin meines Lebens“ war ein Publikumsmagnet – Ziehensack ergatterte eigenen Angaben zufolge den letzten freien Platz.

Bezahlbare Kultur

Dank der Unterstützung durch die Städte Wiesloch und Walldorf kostet der Eintritt beim Filmclub weniger als bei regulären Vorstellungen: 7,50 Euro, in der Loge 8,50 Euro. Inhaber einer Cinecard erhalten zusätzlich 50 Cent Ermäßigung.

Neues Programm ab 19. März

Das aktuelle Programm läuft noch bis zum 5. März. Die nächste Reihe mit zehn neuen Filmen startet am 19. März 2026. Informationen sind online unter www.filmclub-wiesloch.de abrufbar.

(ch)

Zwei Männer und eine Frau vor einer Bar im Kino Foyer
v.l.n.r. Esther Rothenhöfer und Richard Ziehensack mit Hans-Peter Kriechbaum, einem langjährigen Filmclubbesucher.Foto: Richard Ziehensack
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exklusiv online
von Redaktion NUSSBAUMRedaktion NUSSBAUM
11.03.2026
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Wiesloch